Rauputz glätten oder überputzen – Methoden und Anleitung

Malermeister Thomas
Malermeisterin Jessica
Malermeisterin Jessica
Malermeisterin und Farbexpertin · Aktualisiert: Februar 2026
Das Wichtigste in Kürze

Rauputz ist robust und preiswert, sieht aber nicht mehr zeitgemäß aus. Es gibt zwei Wege: Glätten für ein feines Finish oder Überputzen für völlig neue Struktur. Welcher Weg passt zu dir? Wir zeigen dir beide Methoden mit Kosten und Aufwand.

⏱ Zeitaufwand: 2–4 Stunden pro 20 m² (hängt von Methode ab)

Das Problem mit Rauputz

Rauputz war lange Zeit die Standard-Oberflächenfinish für deutsche Wohnungen. Die raue Struktur ist praktisch – sie verbirgt kleine Unebenheiten, ist robust und preiswert. Aber: Sie wirkt heute altmodisch und wird von immer mehr Menschen als unästhetisch empfunden. Außerdem sammelt sich Staub in den Rauhigkeiten, was die Reinigung erschwert.

Wenn du dich für modernere Wände entscheidest, hast du zwei realistische Optionen: Glätten oder Überputzen. Jede Methode hat Vor- und Nachteile. Hier zeige ich dir ehrlich, welche für dein Projekt passt.

Methode 1: Rauputz glätten – Der sparsame Weg

Wie funktioniert Glätten?

Beim Glätten wird die Rauputzoberfläche mit feinen Spachtelmassen gefüllt. Die raue Struktur wird Schicht für Schicht geebnet, bis eine glatte oder feinstrukturierte Oberfläche entsteht. Das ist Feinarbeit – es erfordert Geschick und Geduld.

Vorteile des Glättens

  • Günstiger: Du brauchst weniger Material als beim Überputzen.
  • Substanzerhaltung: Der alte Putz bleibt erhalten – du entfernst nichts Tragfähiges.
  • Schneller: Weniger Trocknungszeit als eine komplette Neuputzschicht.
  • Flexibel: Du kannst die Struktur selbst bestimmen – glatt oder mit Feinputz-Struktur.

Nachteile des Glättens

  • Handwerk erfordert Geschick: Sichtbare Übergänge, Striemen und Kratzer sind das Risiko.
  • Mehrere Schichten nötig: 2–3 dünne Schichten bis zur Deckkraft – und dazwischen Schleifen.
  • Arbeitsintensiv: Das ist nicht einfach für Anfänger.
  • Nicht ideal bei sehr rauen Strukturen: Bei Körnung 3–4 ist Glätten schwierig oder unmöglich.

Methode 2: Rauputz überputzen – Der zuverlässige Weg

Wie funktioniert Überputzen?

Beim Überputzen trägst du eine ganz neue Putzschicht (typisch 5–10 mm) über den alten Rauputz auf. Das ist wie eine Grundsanierung – du machst quasi eine neue Wandoberfläche. Danach hast du ein stauberes Blatt und mehr gestalterische Freiheit.

Vorteile des Überputzens

  • Sicheres Ergebnis: Der alte Rauputz ist völlig verdeckt – kleine Mängel sind irrelevant.
  • Vielfältiger: Du kannst Glattputz, Feinputz oder edle Strukturen auftragen.
  • Pflegeleichter: Moderne Putzoberflächen sammeln weniger Staub.
  • Wertsteigerung: Ein modernisiertes Finish wertet die Immobilie auf.
  • Auch für Anfänger geeignet: Mit den richtigen Produkten und Werkzeugen machbar.

Nachteile des Überputzens

  • Höherer Materialverbrauch: Mehr Spachtelmasse, mehr Kosten.
  • Längere Trocknungszeit: Dickere Schichten brauchen mehr Trocknungszeit dazwischen.
  • Mehr Arbeit: Die Fläche wird größer, die Arbeitsdauer länger.
  • Raumveränderung: Die Wand wird um 5–10 mm dünner (kaum merklich, aber bei sehr engen Räumen zu beachten).

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Schritt-für-Schritt Anleitung: Rauputz glätten

Malermeisterin Jessica
Malermeisterin-Tipp

Beim Glätten ist das Wichtigste: kleine, dünne Schichten auftragen. Ich arbeite mit einer Spachtelmasse in dünnen Strichen – nicht zu dick, nicht zu aggressiv. Das Geheimnis ist Geduld und mehrere Überarbeitungen statt einmal dick auftragen.

Schritt 1: Vorbereitung

Rauhputz mit Staub- oder Fusselrolle absaugen. Lose Teile mit Drahtbürste entfernen. Abkleben (Fußleisten, Deckenkante, Fensterkanten) mit Kip 300 Feinkrepp.

Schritt 2: Untergrund grundieren

Den Rauputz mit StoPrim GT grundieren. Das sorgt für gleichmäßige Saugfähigkeit und bessere Haftung der Spachtelmasse. 2–4 Stunden trocknen lassen.

Schritt 3: Erste Spachtelschicht

StoLevell In Fill mit einer breiten Spachtelkelle (30–60 cm) in dünnen Lagen auftragen. Nicht dick aufdrücken – nur die Rauigkeiten füllen. Die Schicht sollte so dünn sein, dass die Rauputzstruktur noch leicht zu sehen ist.

Schritt 4: Trocknen und schleifen

Mind. 12–24 Stunden trocknen lassen. Dann mit 120er Schleifpapier oder Schleifschwamm abschleifen. Die Oberfläche wird rauer – das ist normal und gewünscht.

Schritt 5: Weitere Schichten

Wiederholen: Spachtel → Trocknen → Schleifen. Typisch brauchst du 2–3 Durchgänge. Mit jeder Schicht wird die Oberfläche glatter.

Schritt 6: Feinschliff

Nach der letzten Schicht mit 150er oder 180er Schleifpapier fine abschleifen. Danach mit feuchtem Schwamm oder Fusselrolle säubern. Jetzt ist die Oberfläche fertig für Farbe.

Schritt-für-Schritt Anleitung: Rauputz überputzen

Schritt 1: Untergrund prüfen

Der alte Rauputz muss tragfähig sein – keine bröckeligen oder losen Stellen. Wenn nötig, festigen mit Fixativ oder Grundierung.

Schritt 2: Grundieren

Mit StoPrim GT grundieren. Das ist essentiell, um Saugfähigkeit zu kontrollieren und spätere Putzarbeiten zu erleichtern.

Schritt 3: Spachtelmasse aufbringen

Mit StoLevell In Fill in 5–10 mm Dicke aufspachteln. Hier kannst du dickere Schichten nehmen als beim Glätten. Mit Glättekelle oder Zahnspachtel arbeiten.

Schritt 4: Strukturieren oder glätten

Bevor die Masse fest wird, kannst du strukturieren (mit Bürste, Schwamm, Trowel) oder glatt spachteln. Das ist deine gestalterische Freiheit.

Schritt 5: Trocknen und schleifen

Grundlich trocknen (24–48 h). Danach mit 120er–150er Schleifpapier die Oberfläche ebnen.

Schritt 6: Fertig!

Du hast nun eine komplett neue Wandoberfläche. Streichen oder strukturieren nach Wahl.

Das wichtigste Werkzeug: Abklebeband

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Vergleich der zwei Methoden

Kriterium Glätten Überputzen
Kosten €€ (niedrig) €€€ (mittel–hoch)
Zeitaufwand 2–3 Wochen (inkl. Trocknungszeiten) 3–4 Wochen
Handwerk-Schwierigkeit Schwierig, erfordert Geschick Mittelschwer, machbar für Anfänger
Ergebnis-Sicherheit Risiko für sichtbare Übergänge Sicheres, gleichmäßiges Ergebnis
Gestalterische Freiheit Limitiert auf glätten/fein Glätten, Feinputz, Struktur möglich
Ideal für Anfänger Nicht empfohlen Ja, mit Geduld

FAQ: Häufige Fragen

▸ Kann ich alte Rauputz-Tapete einfach überstreichen?
Nein. Wenn noch alte Tapete auf dem Rauputz ist, muss die runter. Nur der nackte Rauputz ist ein geeigneter Untergrund für Spachtelmasse oder Grundierung.
▸ Wie stark ist Rauputz strukturiert?
Das hängt von der Körnung ab. Standard-Rauputz ist Q1–Q2 (fein bis mittel). Es gibt aber auch gröbere Sorten. Je grober, desto schwieriger zu glätten – dann ist Überputzen die bessere Lösung.
▸ Können beide Methoden kombiniert werden?
Ja. In manchen Fällen glätten wir 80% der Wand und nutzen eine dünnere Überputz-Schicht nur in den problematischen Bereichen. Das spart Material und Kosten.
▸ Was ist besser für Mieter?
Glätten ist weniger invasiv und einfacher rückgängig zu machen. Überputzen ändert dauerhaft die Wand. Als Mieter würde ich eher glätten oder den Vermieter fragen.

Deine Entscheidung: Welche Methode passt?

Glätten: Wenn du Kosten sparen willst, die alte Wand nicht verändern möchtest und bereit bist, Zeit und Geschick zu investieren.

Überputzen: Wenn du ein modernes, sicheres Ergebnis willst und Zeit/Budget hast. Das ist heute der Standard bei Modernisierungen.

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